Bambuswald von Kamakura
Der Bambuswald des Hokoku-ji-Tempels in Kamakura ist klein genug, um ihn in wenigen Minuten zu durchqueren, und trotzdem bleibt man stehen. Die Halme wachsen so dicht, dass das Licht nur in schmalen grünen Streifen bis zum Boden durchdringt, und der Wind, der durch die Blätter fährt, klingt anders als jeder Wind, den ich sonst kenne, trocken, fast hölzern.
Nach Tagen in Tokio, wo jede Straße, jede Kreuzung, jeder Bahnhof ein eigenes kleines Drama aus Menschen und Licht war, war dieser Ort auf der Reise 2017 wie ein Ausatmen. Der Hokoku-ji trägt seinen Beinamen Bambustempel zurecht, und man spürt beim Gehen, wie sich der Puls verlangsamt, ganz ohne dass man es sich vornimmt.
Am Ende des Pfads liegt eine kleine Teestube, in der man sich mit Blick auf einen gepflegten Garten eine Schale Matcha servieren lässt. Ich habe dort länger gesessen als geplant, die Kamera für einen Moment beiseitegelegt, und einfach nur zugesehen, wie der Bambus sich im Wind bewegte.
Fotografisch ist der Wald eine Einladung, nach oben zu schauen. Die Perspektive von unten, die Halme wie Linien, die sich im Licht verlieren, macht aus einem eigentlich kleinen Garten ein Motiv, das größer wirkt, als es ist, meditativ und ganz und gar japanisch.
