Schloss Schleißheim
Schloss Schleißheim in Oberschleißheim bei München überrascht mich jedes Mal aufs Neue, wie wenig bekannt es außerhalb Bayerns eigentlich ist – dabei war das Neue Schloss als regelrechte Wittelsbacher Antwort auf Versailles gedacht, mit einem streng symmetrischen Barockgarten, der sich in schnurgeraden Achsen bis zum Horizont zu ziehen scheint.
An einem ruhigen Herbsttag, mit tiefstehender Sonne und ersten gelben Blättern in den Alleen, entfaltet die Anlage eine Ruhe, die man dem einstigen höfischen Anspruch kaum zutraut. Die Fassade des Neuen Schlosses liegt lang und streng vor einem, die Symmetrie der Gartenachsen zwingt den Blick förmlich in die Tiefe, hin zum Kanal, der die gesamte Anlage durchzieht.
Gerade dieser Kontrast reizt mich fotografisch: barocke Strenge und Formwille auf der einen Seite, das eher zurückhaltende, fast stille Alltagsbild eines Münchner Vororts auf der anderen. Wenige Besucher, viel Licht, viel Raum zum Beobachten – Schleißheim gehört zu den Orten, die man sich bewusst freihalten muss von der üblichen Hektik der bekannteren Schlösser.
Wer einmal durch die Alleen dieses Barockgartens spaziert ist, versteht, warum die Wittelsbacher hier ihren eigenen Anspruch an höfische Pracht verwirklichen wollten – leiser als Versailles, aber nicht weniger durchdacht.
